Welches Schwert zu welchem Zweck?

kleiner Unterschied - grosse Wirkung

Wir unterscheiden vier Gruppen von Blankwaffen:
- Deko - Training - Bühnenkampf - Trefferkampf -

Deko:
Zur Dekoration kann man alle Blankwaffen verwenden aber reine Dekowaffen sind ausschließlich als Dekoration oder zur Vervollständigung der Gewandung gedacht. Diese Waffen gibt es in allen Ausführungen und Preislagen. Sie sind nicht für den Kontakt mit einer andern Klinge oder zur Benutzung gedacht. Viele werden das zwar überleben, aber sie sind trotzdem nicht dafür gemacht. Es gibt gewisse Glasarten mit denen ich einen Nagel einschlagen kann, aber ein Hammer ist einfach besser.
Die Preislage beginnt bei etwa 50 € und endet bei ca. 600 €.

Training:
Hier gibt es zwei Varianten: Holz (z.B den Boken, Shinai, ...) und Metall. Die Metallvariante ist sowohl sehr gut als Beiwaffe zur Gewandung als auch zum Training, um sich an das Gewicht zu gewöhnen.

Die aus Holz sind hervorragend zum scharfen Training mit Kontakt geeignet. Sie vereinen, hohe Stabilität, günstig in der Anschaffung und keinerlei Probleme beim Transport. Speziell das Training im Freien gestaltet sich auch im Auge der Grün-Gewandeten problemlos.
Die Preisklassen lieg hier bei 15 € bis ca. 100 €.

Die aus Metall dienen vor allem dazu, sich an das höhere Gewicht zu gewöhnen ein Kontakt mit einer Partnerklinge gestaltet sich problemlos. Von einer offenen Feldschlacht oder einem „adrenalingeschwängerter Messen“ unter Freunden raten wir ab.
Die Preisklassen lieg hier bei 50 € bis ca. 160 €.


Schaukampf, diese Gruppe teilen wir erneut:
Bühnenkampf vs. Showkampf: die Grenzen sind hier leider fließend und oft falsch interpretiert.

Bühnen- und Theaterkampf - szenisches Fechten - StageCombat:
ist 100% choreographiert, er hat eine Handlung mit guten Dialogen, einen Höhpunkt, Raumaufteilung, Sicherheit und Unterhaltung für den Zuschauer stehen im Vordergund.
Bevor ich also den Streit anfange, der zum Kampf und schließlich zu einem Ergebnis führt, kenne ich jeden Schritt und alle kommenden Hiebe, Stiche, Finten und Paraden. Es ist also ein Ballett für Bewaffnete. Was hier spöttisch klingt, ist allerdings die schwierigste Variante mit dem längsten und diszipliniertestem Training. Eine Minute Kampf entspricht mindestens einer Woche täglichem Training. Es dient der Unterhaltung des Publikums und dem Spaß am eigenen Training (andere gehen Golfen, Bodybuilden oder Joggen).
Wenn ich für 15 Minuten Show engagiert werde, ist es irgendwie unpassend wenn mein Partner nach 30 Sekunden „tot“ ist, in 15 Minuten 10 mal getötet wird, oder wie im Fernsehen oder Theater (speziell Wagner) 15 Minuten lang stirbt, aber zur Rechtfertigung seiner Gage ununterbrochen redet oder gar singt.
Daraus folgt:
Hier steht die Show im Vordergrund, es soll nicht getroffen werden. Die Kraft des Klingenkontaktes geht vom Verteidiger aus, Hiebe werden nicht gebremst sondern in Schub umgewandelt, Verletzungen sind unbekannt, das Training ist jedoch beinhart. Auf keinen Fall sollte es ohne den Besuch einer renommierten Schule begonnen werden.

Bei der geringsten Unsicherheit gibt es nur eine Art der Improvisation, man trennt sich und kämpft verbal weiter, bis man den Einstieg in das eigentliche Geschehen wieder gefunden hat.

Die Grundtechniken der meisten renommierten Bühnenkampforganisationen sind sich ähnlich. Das während Workshops oder Zertifizierungen (mit Prüfung) erworbene Wissen einer Organisation läßt sich meist verlustfrei in die Grundtechniken der anderen Organisationen umsetzen. Viele Organisationen arbeiten Hand in Hand und besuchen gegenseitig deren Veranstaltungen.

Die wohl bekanntesten:

BASSC - British Academy of Stage and Screen Combat
BADC - British Academy of Dramatic Combat
FDC - Fight Directors Canada
IOSP - International Order of The Sword and Pen
IDCA - Irish Dramatic Combat Academy
New Zealand Stagefight - Nur E-mail
Nordic Stagefight - Skandinavien und Baltikum
SAFD - Society of American Fight Directors
SAFDi - Society of Australian Fight Directors
SCD - Stage Combat Germany

Aber im Vergleich mit Fußball geradezu ein Sport für Weicheier :o) und wesentlich fairer.

Showkampf / Schaukampf:
Hier handelt es sich um eine Kampfvorführung, das, was man in der Regel auf Mittelaltermärkten zu sehen bekommt.
Im Prinzip kämpfen zwei oder mehrere Personen und das Publikum schaut zu. Es gibt wenig Handlung, die Technik ist auf Basis historisch korrekter Kampftechniken, ohne eine funktionierende Verteidigung führen diese Hiebe jedoch meist zu heftigen Wirkungstreffern. Normalerweise ist der Kampf nicht durchgehend choreographiert, es wird viel improvisiert, Handlung, Raumaufteilung und Dialoge - stehen im Hintergrund.

Da die Kampfhandlung nicht wirklich geplant ist, ist der Verlauf oft recht emotional und heftig - man möchte doch eine gute Show abliefern - was fast immer zur Unterschreitung des Sicheitsabstandes zum Publikum führt. Bezüglich dieser Tatsache passiert erstaunlich wenig, aber es ist wie alles nur eine Frage der Zeit. Aus meiner Sicht sind laute martialische Actionen zwar recht beeindruckend, wenn aber die Kinder Angst bekommen, so ist doch der Sinn anläßlich eines nachmittäglichen Ereignisses verfehlt.

Die Preisklassen für geeignete Waffen beginnen so bei 150 € und können auch über tausend Euro betragen.

Der offne Kampf mit dem Ziel des Treffers.
Auch hier steht aus Sicherheitsgründen der Besuch einer Schule am Anfang. Es gibt hier drei Varianten.

Die Feldschlacht:
Hier treffen zwei Gruppen aufeinander, die sich gegenseitig bekämpfen. Meinen Gegenüber (es können auch mehrere sein) kenne ich nicht, der Platz zum Kämpfen ist begrenzt und ich sollte auch nicht auf die eigenen Leute einschlagen (das bekommt man dann abends immer stundenlang vorgehalten). Das Ziel ist das Treffen des Gegners. Ein solches Aufeinandertreffen ist meist nach wenigen Sekunden beendet. Hier ist die Masse der Einzelgefechte der Kick (das sollte man unbedingt mal gemacht haben). Wer keine blauen Flecke hat, war definitiv nicht dabei.
Hier ist ein Mindestalter von 18 Jahren erforderlich (es gibt allerdings Ausnahmen, was bei Unfällen zu Versicherungsproblemen führen kann), eine entsprechende Waffe > mit runder Spitze, einer Mindestbreite der Schlagkante von 3mm, des Weiteren eine geeignete und ausreichende Schutzausrüstung (merkt Ihr es? das kann richtig teuer werden). Bei seriösen Veranstaltungen gibt es vorher ein gemeinsames Training um das Können der einzelnen Teilnehmer beurteilen zu können. Solltet Ihr feststellen, dass hier oberflächlich geprüft wird . . . holen Sie sich Euch ein Bier (NEIN ich rufe hier nicht zu ungezügeltem Alkoholismus auf - natürlich geht Bionade oder Tee genauso) und schauen Sie erst einmal zu.
Das Regelwerk kann von Schlacht zu Schlacht stark abweichen. Teilweise fließen sogar Larpelemente mit ein.

Hier sollte das Schwert sehr stabil sein (Vorstufe zur Brechstange). Die Preisklasse beginnt bei 160 € und sollte die 250 € eigentlich nicht überschreiten (die Waffe ist zum Kloppen und nicht zum Schönsein). Wer glaubt, dass diese Waffen nicht brechen - sorry auch diese reißt man ab.

Die Krönung von Allem der Freikampf:
Das Ziel ist das Treffen des Gegners. Der Gegner ist bekannt, zumindest sein Können. Beide sollten aus jahrelanger Erfahrung von Training in Schulen und Feldschlachten schöpfen können. Die Waffen sind häufig die des Schaukampfes mit Choreografie allerdings meist auf Maß gemacht und in der gehobenen Preisklasse 250 € und mehr. Obwohl es die gefährlichste Variante ist, ist die Ausbildung, der Könnensstand und die Disziplin hoch (Adrenalin und Endorphin, sowie die Rolex und der Schlüssel für den Manta bleiben unter Verschluß), so dass in der Regel wenig passiert (blaue Flecke sind die Regel, gebrochenen Finger und Platzwunden eher selten, aber nicht ungewöhnlich).

Huscarl:
bezeichnet in diesem Fall eine Sonderform des Freikampfes. Die Regeln sind nicht fest, jedoch ist vom ganzen Körper incl. Kopf und Hals als Trefferzone auszugehen. Stiche gegen Kopf und Hals sind auch hier nicht zulässig. Es ist wohl die realistischste Art der Kampfbegegnung. Der Traum vieler, eine Huscarl-Massenschlacht, scheitert an der Masse der Teilnehmer, so dass es meist bei Einzelkämpfen oder Begegnungen kleiner Gruppen bleibt. Hier kommen die Waffen für Feldschlacht und Freikampf zum Einsatz.

Diese Unterscheidung ist von mir, Herbert Ritter und dient der Zuordnung der Waffe zum eigentlichen Verwendungszweck. Ich habe über lange Jahre des Handels und Kämpfens mit Blankwaffen nur beste Erfahrungen mit dieser Art der Zuordnung gemacht. Wer anderer Meinung ist kann dies ruhig sein und auch kundtun, darf sich aber nicht wundern, wenn er etwas anderes bekommt als er sich vorgestellt hat.